Zur biopolitischen Konstruktion (post)kolonialer Identitäten.
Vortrag von Tom Waibel im Rahmen der Reihe Szenen der Kritik. Zwischen
postkolonialer, medienästhetischer und politischer Philosophie von Katja
Diefenbach und Andrea Allerkamp an der Europa-Universität Viadrina
Frankfurt (Oder).
"In der wiederholten Maskierung lässt sich kein anderes Subjekt
entdecken als die Maske selbst, denn Masken verbergen nichts anderes als
andere Masken. Subcomandante Marcos, der maskierte Sprecher der
aufständischen Zapatistas bringt die gesellschaftliche Dynamik in diesem
komplexen Spiel von Masken und Maskierungen auf eine bündige und
widersprüchliche Formel: »Hinter uns sind wir ihr.« Ebenso wie nichts
vor den Masken liegt, was jene später bedeckt hätten, wird sich auch
hinter dem Schleier der Maske keine Welt finden, die frei von
Maskierungen wäre…"
Masken des Widerstands. Spiritualität und Politik in Mesoamerika, Wien: Löcker 2022, 504 S., ISBN 978-3-85409-611-5
In den weltweiten Kämpfen für eine bessere Welt ist eine Vielheit von Masken an die Stelle der Revolutionäre der Vergangenheit getreten. Tom Waibel untersucht in seinem Buch die Verbindung von Spiritualität und Politik im indigenen Widerstand am Beispiel der maskierten aufständischen Zapatistas in Mexiko und der Maskierungen der Maya im Hochland von Guatemala. In den sozialen Auseinandersetzungen der Gegenwart haben diese
Bewegungen eine große moralische Bedeutung erlangt, da ihre politischen
Forderungen auf die dringend notwendige Anerkennung der Andersheit der
Anderen abzielen.